Esos am Rande des Nervenzusammenbruchs

Geht’s nur mir so oder beobachtet Ihr auch diverse „Modeerscheinungen“ in der spirituellen Szene? Ich erlebe das ja mittlerweile schon seit mindestens 25 Jahren aus der Innenperspektive und mach mir so meine Gedanken zu immer wieder an- und abschwellenden Strömungen, die einen Großteil der darin befindlichen Menschen zu erfassen scheinen.

Waren um die Jahrtausendwende etwa Channeling oder Indigo-Kinder gerade sehr en vogue, hört man heute nicht mehr besonders viel darüber. Aus welchen Gründen ist das Interesse an gechannelten Informationen abgeflaut? Und was wurde aus den einst so gepriesenen Hoffnungsträgern unserer Zivilisation mit ihrer ach so einzigartigen Aura? Warum lesen wir inzwischen kaum mehr über Wunscherfüllungs-Methoden á la The Secret und Co., die uns noch vor ein paar Jahren zu jeder Gelegenheit die Erfüllung unserer Träume verhießen? Und weshalb muß sich mittlerweile jedes zweite alternative Behandlungssystem, das gerade im Entstehen begriffen ist, mit dem Zusatz von „Quanten“ schmücken? (Ich wette, daß „Quanten“ in spätestens fünfzehn Jahren schon wieder dermaßen out sind wie heute die Kommunikation mit Verstorbenen durch Radiosignale.)

mode

„Energetisierte Mode“ und Accessoirs …

Damit will ich den entsprechenden Themenbereichen nicht mal unterstellen, daß die Beschäftigung mit ihnen irreführend, wirkungslos oder gar destruktiv wäre … man kann sich aber auch in ihnen verlieren. Allzu oft konnte ich miterleben, wie sich jemand durch das unglaubliche Angebot an Praktiken an einem (tatsächlichen oder eingebildeten) Defizit seiner Persönlichkeit festbiß! Da versucht man es vielleicht mal mit Kartenlegen oder Meditation. Wenn das nicht hilft, liegt’s vermutlich an blockierten Meridianen oder einer astralen Besetzung. Oder daß man nicht richtig atmet. Oder einem abgelehnten Krafttier. Oder einem verdrängten Trauma aus der Kindheit. Man versucht, die „Baustelle“ mit Hypnose in den Griff zu bekommen. Mit einer Familienaufstellung. Einer schamanischen Reise. Chakren-Clearing. Rückführung in Vorleben. Spagyrischen Präparaten. Irgendwas mit Quanten, oder Engeln, oder Lichtsymbolen, oder Reiki-Übertragungen – oder jeder nur erdenklichen Kombination aus all diesen, je nachdem, was halt gerade angesagt ist – … nur um am Ende festzustellen, daß man zwar sowohl um viele Erfahrungen reicher als auch um viele Tränen und Geld ärmer geworden ist, das vermeintliche Defizit sich aber nicht wesentlich verändert hat. Doch vor der endgültigen Verzweiflung taucht vielleicht noch ein Heiler auf und erklärt einem, daß die Ahnen beleidigt wären. Es reicht ja nicht, seine eigenen Sachen in den Griff zu bekommen! Nein, auch die Ahnen wollen stellvertretend geheilt werden; und wenn die erledigt sind, dann steht das Kollektiv an, dessen morphisches Feld hochgradig instabil ist! Und wer weiß, was dann kommt! Hauptsache, es gibt immer noch was zu tun, noch was zu heilen, noch was zu transformieren. Ich frage mich, ob gerade durch das Bedürfnis, an unseren Unvollkommenheiten herumzudoktern, immer wieder neue Techniken auftauchen, die einem erlauben, den Fokus auf jener Unvollkommenheit zu belassen anstatt sich zu erlauben, davon loszulassen.

Ich betrachte das Ganze gern als einen Fluß, auf dem wir in einem Boot entlang gleiten. Der bringt uns automatisch ans Ziel; wir brauchen nur hin und wieder das Paddel zu benützen, um nicht die Balance zu verlieren. Okay, manchmal ist die Strömung etwas stärker und wir müssen uns etwas mehr konzentrieren, aber ansonsten können wir die Reise genießen. Und ja, hin und wieder ragt ein Felsbrocken aus dem Fluß, auf den das Boot treibt und an dem wir hängen bleiben. Dann gibt’s prinzipiell zwei Möglichkeiten:

1. Wir klammern uns am Felsen fest. Wir beschweren uns darüber, daß er uns im Weg ist. Wir leiden darunter, daß uns etwas blockiert. Wir schlagen mit den Fäusten auf ihn ein. Wir verfluchen ihn. Wir versuchen herauszufinden, weshalb er da ist (existiert er vielleicht schon seit unserer Kindheit?!), analysieren ihn bis hinein in seine Molekularstruktur (oder, ganz fraktal, noch tiefer und tiefer) und finden heraus, welche Bedeutung er für uns, für den Fluß und für die ganze Welt hat. Oder wir beschließen, daß er die natürliche Fließrichtung des Flusses behindert und daß er weg muß. Zu diesem Behufe staken wir ans Ufer, gewinnen Erz, bauen uns einen Hochofen und fertigen uns Hammer und Meißel, um ihn dann unter großen Anstrengungen Stück für Stück abzutragen (natürlich auch unter Wasser, das dauert zwar etwas länger, aber hey!) – und je nach herrschendem Geschmack verhalten wir uns dabei entsprechend. Bis wir auf den nächsten Felsbrocken treffen.

felsbrocken

2. Wir stoßen uns sanft vom Felsen ab und lassen uns wieder vom Fluß tragen. Denn egal, wie lang wir uns festgeklammert haben oder (vielleicht auch unwissentlich) gegen den Strom geschwommen sind: Ab dem Moment, in dem wir aufhören, uns zu quälen, sind wir zurück im Flow.

War die erste Möglichkeit früher stark verbreitet, weil sich – damals hochmodern – eine bestimmte Haltung der protestantischen Arbeitsethik auch in die Spiritualität geschlichen hatte („Es muß weh tun, damit’s wirkt!“, „Nur wenn’s anstrengend ist, ist es auch was wert!“), sehe ich heutzutage eine andere Attitüde auftauchen, durch die sich das Festklammern am Felsbrocken perfekt rechtfertigen läßt: Spiritual Correctness.

Analog zur Political Correctness ist es ja längst verpönt, die „Kosten“ für ein Seminar oder eine Beratung mitzuteilen – das muß schon „Energieausgleich“ heißen. In so einem Rahmen wird dann jede noch so kleine mißverstandene Geste, durch die man sich vielleicht oder vielleicht auch nicht in seiner Befindlichkeit irritiert gefühlt hat, in einem sharing circle ausführlich mitgeteilt. Und nicht zu vergessen: Vor jede noch so kleine Handlung wird die Generalklausel gesetzt, daß es „zum höchsten Wohl aller Beteiligten“ geschehen möge. Ja eh. Hauptsache, das spirituelle Ego fühlt sich so richtig schön spirituell.

ego traps

Hier scheint durch, was Ken Wilber als Boomeritis bezeichnet: Ein narzißtisches, bis ins Bizarre aufgeblasenes, hypersensibles Ego, das sich grundsätzlich bedroht fühlt und daher in einer Opferhaltung befindet, wodurch es mehr und mehr Widerstand gegen alles Mögliche entwickelt, bis es nur noch aus selbstgerechter Angst besteht.

Wenn das so weitergeht, sind wir nicht mehr weit davon entfernt, daß jemand wochenlang auf seinen Partner sauer ist, weil er in einem Vorleben von ihm betrogen wurde. Und wann werden wir anfangen, uns Aura-Kondome zu visualisieren? Für safer spirituality: Esos haben sichere Meditationen – mit Aura-Kondom!

aura-kondom 2 by suna jones

Zeichnung © Suna Jones

Man suffers only because he takes seriously what the gods made for fun.

Alan Watts

In dem ganzen Strudel tut es sicher gut, die eigenen Modeverirrungen und Macken durchaus mal richtig satirisch unter die Lupe zu nehmen … bevor man sich wieder dem Fluß anvertraut.

9 comments

  1. Schöner Artikel! “Energieausgleich”😀 und wtf sind “spagyrische präparate”? wir müssen UNBEDINGT mal eine esoterikmesse besuchen. eine paar kleine historische richtigstellungen, wenn es mir erlaubt ist: “Tonbandstimmen” aka “radiokommunikation mit verstorbenen” war niemals “in”, gerade nicht zu ihrer blütezeit; das war immer eine ganz kleine, abgeschottete subkultur, die von allen anderen als “spinner” abgetan wurde (und man muss bedenken, “eso-szene” inm heutigen sinn gab es damals keine) und ich denke auch, die channelings mit diversen “meistern” sind 2013 genauso populär wie eh und je, auch die “kryon”-szene nudelt weiterhin munter vor sich hin (ganz abgesehen von der tatsache, dass der herr vom magnetischen dienst bereits vor vielen jahren gemeint hat, seine tätigkeit sei beendet, was aber seine channels nicht zu stören scheint😉, auch LOA-Bücher erscheinen nach wie vor, eine auswahl neuester titel: “deeper secret of love”, “secret of magic spell” etc etc, das originale “the secret” ist übrigens grade schon wieder neu aufgelegt worden, also weiterhin ungeheuer populär.

    ich glaube allerdings – aus einer grösseren perspektive gesehen – regelt sich das esoterische überangebot eh von selber (was man vielleicht noch genauer herausarbeiten könnte, wäre der unterschied zwischen esoterischen strömungen und kalkulierter geschäftemacherei, ich denke, das sollte man nicht in einen topf werfen). die “indigokinder” sind deshalb verschwunden, weil sie sich im endeffekt als das enttarnt haben, was sie immer schon waren: schlicht und einfach patienten mit adhs. so, meine 2cent, danke für die denkanstösse, trag die obskuristan-flagge weiter! dein docteur🙂

  2. Danke für die Kommentare und Richtigstellungen, Doc! Du hast recht, natürlich gab’s damals keine “Eso-Szene” in dem Sinn, allerdings schon so was wie einen “Untergrund”, wie z. B. Monroe ihn bezeichnet hat. Wenn die Tonbandstimmenforscher innerhalb dessen nochmals eine ausgegrenzte Gruppierung waren, dann hinkt mein Vergleich mit den eso-mainstreamigen Quanten natürlich. Ich hoffe trotzdem, daß rüberkommt, was ich damit meine🙂

    Und was ich in Bezug auf Channeling- und Law-of-Attraction-Literatur gemeint hatte, war weniger, daß nichts mehr aufgelegt wird, sondern daß nichts aufregend Neues mehr nachzukommen scheint und sich die Angaben (bis auf wenige Ausnahmen) mehr oder weniger im selbstrefentiellen und -beweihräuchernden Kreis drehen. Hast Du nicht mal erwähnt, daß das ähnlich auch bei der modernen Musik so zu beobachten wäre?

    Und in jedem Fall wird die Fahne des selbständigen Denkens und Fühlens hier weitergetragen :-)! Bis bald!

  3. Der Vergleich mit Populärmusik ist ausgezeichnet – das hiesse dann , wir wären in der LOA-Postmoderne🙂 Wobei ja immer festzuhalten ist, dass die Frau Byrne ja auch net “innovativ” war, denn die von ihr mit viel Pomp enthüllten Geheimnisse kennt ihr Magier ja sowieso seit 100en von Jahren oder länger, vermutlich🙂

  4. Natürlich! “The Secret” war alter Wein in neue Schläuche …

  5. Nun ja, Herr Reicher – alter Wein in neuen Schläuchen, natürlich. Gar nichts ist neu – in sämtlichen alten Kulturen findet sich sämtliches Wissen für eine “Transformation”. Man kann es nur immer wieder neu verpacken und dem “Zeitgeist” gemäß anbieten.

    Esoterische – wie auch alle anderen – Strömungen entstehen nicht aus sich selbst heraus, sie werden in Szene gesetzt (=eine Szene geschaffen), wie auch die Flower-Power Bewegung. Dann gibt´s eine Schwemme, ein paar beißen längerfristig, einzelne dauerhaft an, die meisten fallen nach kurzer Zeit wieder dem Magnetismus der Materie anheim. Aaaaber: insgesamt(!) trägt eine solche immer zu einer Veränderung des globalen Bewusstseins bei und damit hat es seinen Zweck erfüllt. Zuerst große Welle und dann plätschert es leise dahin, die Gesellschaft verändert sich fast unmerklich, aber eben doch.

    Und ob der eine oder andere sich in seiner Unvollkommenheit vertieft, ist doch seine Sache – dann wird er es in seiner individuellen Entwicklung halt genauso benötigen. (Memo:… “but then you find yourself judging those … “)

    – Die Sache mit dem Flow …
    … ist sehr schön dargestellt. Nur dorthin muss man ja erst einmal kommen, Herr Reicher. Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten und ist so viel schwieriger! Sie bedenken imho auch nicht, dass manche Menschen noch so schwer (=materiell sind), dass sie mit ihrem Boot nur sinken können. Vielleicht muss man auch erst ordentlich auf Grund laufen, um die Tiefen des Lebens begreifen zu dürfen. Wenn es für Sie einfacher war, dann Glückwunsch!🙂

    @doc nachtstrom und die Indigokinder:

    Finden sich diese nicht zu Hauf in Asien und Russland? Insgesamt denke ich, dass man bei Indigokindern nicht auf das indigo-blaue Wunder warten sollte, sondern dass die Kinder heutzutag insgesamt ein ganz anderes Bewusstsein haben, die sind nicht mehr so blockiert. Ein Wunder kommt ja nicht immer mit großem Tamtam daher – es sind zumeist die sanften und leisen Töne, die bald als alltäglich angesehen – und damit übersehen – werden.

  6. PS: I like this blog!🙂

  7. Jep. Nice..

    Ist auch garnicht nötig da lang zu kommentieren…

    Ich genieße meine Situation ^^

    “The Secret” hab ich weggelegt beim Kapitel wos um Körpergewicht ging (ich bin selbst von “Natur” schlank)
    Die einzigen Channelings die ich immer noch und weiterhin höre sind die von Lee Carrol..

    greetz

  8. @ LucyEsclarmonde:

    – zu der Sache mit dem Flow:
    “Nur dorthin muss man ja erst einmal kommen” ist eine Aussage, die der Grundhaltung dieses Blogs und der Aussage dieses Artikels im Einzelnen imho widerspricht. Der Autor wird ja nicht müde zu betonen, dass weder Individuum noch Kollektiv ‘irgendwo hinkommen’ müssen. Vielmehr geht es hier darum, einen neuen Zugang zur (eigenen) Spiritualität zu finden, der weder von der Denkschule der “protestantischen Arbeitsethik” (s.o.) her geprägt ist, noch sich an der aktuellen esoterischen Konsumszene orientiert.
    Die hier (durchaus selbstironisch) dargestellten Techniken und Methoden werden per se nicht kritisiert – unser Umgang damit jedoch hinterfragt.

    Sich an dieser Stelle als Erleuchtungs-Suchender angegriffen zu fühlen, entspricht genau der oben beschriebenen prinzipiellen Opferhaltung: Boomeritis. Die Rede ist von einer generellen Rechtfertigungshaltung, die nicht nur in der Eso-Szene weitverbreitet ist (vgl. auch: ‘Gender-Wahnsinn’ uvm.).
    Und genau darauf verweist der Artikel: Wir dürfen uns selbst als souveräne Wesen wahrnehmen, die sich selbst nicht länger als ErleuchtungsSUCHENDE definieren. Wir dürfen aufhören, vor uns und anderen unsere Unzulänglichkeit zu rechfertigen. Und wir dürfen aufhören, gutes Geld in Endlosschleifen esoterischer Vervollkommnung zu investieren, die in Wahrheit auf der Stelle tritt.

    Die “böse Materie” ist als ‘Feindbild’ eigentlich schon lange out. Und die ewige Eso-Propaganda, “nicht im Irdischen verhaftet” zu sein, führt konsequent zu Ende gedacht entweder zur Weltflucht oder bloßer Selbst-Entleibung.
    Also können wir uns auch einfach als ErleuchtungsFINDENDE sehen, die nicht länger (mental) in ihrer vermeintlichen spirituellen Unzulänglihkeit verhaftet sind, sondern uns dem öffnen, was ohnehin da ist: Wir.
    Schlicht und ergreifend… und wundervoll in all unseren Facetten und Farben. Vielleicht geht es einzig darum, unser LICHT nicht länger unter den Scheffel der (Selbst-)Verurteilung zu stellen. Und was bleibt dann? Erleuchtung.

    …und ein bisschen Ironie🙂 Danke dafür!

  9. @Doora

    >Der Autor wird ja nicht müde zu betonen, dass weder Individuum noch Kollektiv ‘irgendwo hinkommen’ müssen.
    > Vielmehr geht es hier darum, einen neuen Zugang zur (eigenen) Spiritualität zu finden,

    Sie benennen den Widerspruch des Beitrags sinngemäß sehr klar in diesen beiden Sätzen:

    was anderes ist denn “einen Zu-gang zu finden” (Gang kommt von gehen, finden von suchen) als “irgendwo hinzukommen”?

    Wir müssen also nirgendwo hin, außer zum Zugang, dass wir nirgendwo hin müssen? Das ist gleichsam als hätten Sie die Absicht, absichtslos zu sein. Das funktioniert nicht, denn die Absichtslosigkeit selbst ist ja der Schlüssel.

    >Sich an dieser Stelle als Erleuchtungs-Suchender angegriffen zu fühlen, entspricht genau der oben beschriebenen prinzipiellen Opferhaltung: Boomeritis. Die Rede ist von einer generellen Rechtfertigungshaltung, die nicht nur in der Eso-Szene weitverbreitet ist (vgl. auch: ‘Gender-Wahnsinn’ uvm.).

    Bleiben Sie höflicher Weise bitte sachlich und bei sich.

    Woraus Sie meinen Worten eine Rechtfertigung entnehmen, ist spontan nicht ersichtlich, es geht hier um die Akzeptanz einer Situation und (lt. Herrn Reicher nicht um ihn, sondern den Großteil) der Menschen, die sich in dieser Situation befinden. Sofern Sie etwas verändern wollen, haben Sie es nicht wirklich akzeptiert. Sobald Sie es aber erkennen und akzeptieren (lat. acceptare = annehmen), verändern Sie es automatisch.

    Situationen und Menschen (und natürlich auch sich selbst) zu akzeptieren funktioniert einfacher, beleuchtet man auch die positiven Aspekte . Dies war die durchwegs freundliche Intention meiner Zeilen. Sollte das bei der Mitleserschaft nicht so angekommen sein, kann das am jeweiligen Empfänger liegen oder auch an der Senderin, die Alkohol nicht gewohnt ist und zwei Campari Soda gefrühstückt hatte. Beides ist legitim.

    >Und genau darauf verweist der Artikel: Wir dürfen uns selbst als souveräne Wesen wahrnehmen, die sich selbst nicht länger als ErleuchtungsSUCHENDE definieren. Wir dürfen aufhören, vor uns und anderen unsere Unzulänglichkeit zu rechfertigen. Und wir dürfen aufhören, gutes Geld in Endlosschleifen esoterischer Vervollkommnung zu investieren, die in Wahrheit auf der Stelle tritt.

    Ja, schön, wenn Sie anderen die Erlaubnis geben, die Frage ist doch aber, ob die das überhaupt WOLLEN!!! Ich sehe da draußen keine Menschen, die souveräne Wesen sein WOLLEN – denn dies bedeutet gleichzeitig, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dazu ist der Mensch – auch der Esoteriker – noch nicht bereit. Denn würden die Menschen das wirklich(!) wollen, wäre es doch so. Mehr braucht es ja nicht. Nur der Wille dazu fehlt – die Menschen können noch nicht wollen. Das ist die Crux.

    Genauso gut können Sie sagen, Ihr “dürft” Euch selbstständig machen. Natürlich dürfen sie – jederzeit, aber wer tut es denn? Einen wirklich souveränen Menschen werden Sie niemals wieder in einem Angestelltenverhältnis sehen – der macht sich selbstständig. Und wieviele machen es, obwohl sie es “dürfen”?

    Eines der hinderlichsten Dogmen ist die Schuld – solange Menschen in Schuld und Unschuld, gut und böse denken, will natürlich – auch unbewusst – keiner Schuld sein, und schon gar nicht an den eigenen Umständen. Verantwortung abschieben hat System.

    Dazu kommt der antrainierte Untertane. Wenn (auch esoterische) Leute zu Kartenlegern, Channel-Medien, Astrologen oder anderen Wesenheiten laufen, weil sie selbst nicht auf ihre eigene(!) Intuition und Kraft vertrauen oder sie zu nutzen wissen, dann ist dies Ausdruck der noch herrschenden hierarchischen Strukturen. Der Mensch ist so klein, da muss schon ein Engel her. Genauso wie eben ein Chef her muss, der scheinbar mehr Sicherheit bietet, als der Mensch in sich selbst finden kann.

    Oder nehmen Sie das Wort “Macht”. Die meisten Leute wissen nicht (wiederum auch nicht die Esoteriker), dass Spiritualität Macht bedeutet. Und was für eine! Wenn Sie darauf hinweisen und sagen, Spiritualität ist mehr als einen Jesus anzuhimmeln, sie bedeutet Unabhängigkeit und Macht, dann merken Sie, wie negativ das Wort Macht belegt ist, da werden Sie verbal gesteinigt, sozial geächtet und machen drei Kreuze, dass die Zeit der Inquisition vorbei ist. Da bleiben die Leute lieber Untertanen, bevor sie selbst Macht haben wollen, beklagen aber gleichzeitig, dass andere Macht haben. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

    Sehen Sie, und das alles sind keine Dinge, die Sie von heut auf morgen aus dem Äther kriegen. Da genügt die oberflächliche Betrachtung nicht und zu sagen “Ihr dürft” souverän sein – das Übel sitzt ja sehr viel tiefer.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lucy Esclarmonde

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