Immer der Nase nach!

Hier ist eine Übung, die ich jedesmal als äußerst wertvoll und spannend empfinde:

immer_der_nase_nach

Nimm Dir mindestens eine Stunde Zeit dafür; besser wäre ein halber, oder, im Idealfall, ganzer Tag. Das Grundprinzip ist: Du hast innerhalb dieses Rahmens keine Ahnung, was geschehen wird, Du läßt Dich einfach führen. Wenn Du zur Haustür rausgehst, weißt Du zum Beispiel noch nicht, ob Du rechts, links oder geradeaus gehst; Du folgst einfach dem entsprechenden Impuls in diesem Moment. Laß Dich davon überraschen, wohin es Dich zieht und was Du dadurch erlebst – ich zumindest hatte dabei immer wieder sehr bewegende, intensive und wichtige Erfahrungen und war jedesmal verblüfft darüber, was das Universum alles an Wundern für mich bereit hält. Gleich um die nächste Ecke.

Laß Dich von Zeit zu Zeit darauf ein … und vielleicht spürst Du dann auch etwas von jenem Zustand, den Mooji so wunderbar formuliert als:

god_is_playing_as_you

Es versteht sich natürlich von selbst, das Ganze in Achtsamkeit vor Deinen Mitmenschen und allen anderen Lebewesen durchzuführen und dabei niemandes Sicherheit zu gefährden. Wenn Du möchtest, kannst Du diese „Geh-Meditation“ auch dahingehend erweitern, daß Du eine Intention für sie formulierst – etwa, um eine Frage zu klären, zu einer Entscheidung zu kommen, eine Lebensphase abzuschließen oder eine neue zu beginnen und so weiter. Meine Lieblingsvariante davon ist eine im Prinzip schamanische Praxis, ich nenne sie Symbole lebendig werden lassen“:

Geh hinaus in die Natur. Entscheide nicht selbst, wohin Du gehen willst; laß Dich führen – bis Dir etwas auffällt: Ein Symbol oder ein Gegenstand, der Dich anspricht, ein Stein, ein Baum, eine Märchenfigur, der Himmel, der Horizont, der Mülleimer, der Weg, ein Vogel … was auch immer. Tritt mit ihm in Kontakt und unterhalte Dich. Laß Dir etwas erzählen. Dann verleihe Deiner Empfindung Ausdruck: Schreib über eure Unterhaltung oder über das, was Du durch die Unterhaltung erfahren hast, einen Text. Das kann ein Gedicht sein, ein innerer Monolog, eine Kurzgeschichte, ein Dialog, ein Märchen, oder welche Form Dir sonst passend scheint für Deine Erfahrung. Nimm Dir für diese Übung alles in allem etwa eine Stunde Zeit.

Als ich sie das erste Mal gemacht habe, war mein Symbol der Blitz. Daraus wurde eines meiner schönsten Märchen. Ein Kollege schrieb eine Rede („Der Geist des Brennholzes spricht“), die von einem weisen Indianerhäuptling hätte stammen können. Eine Teilnehmerin erzählte mir, daß sie sich diesen Tag immer merken würde – ihr Text begann mit: „Heute hab ich meinen Sonnenstrahl gefunden.“ Ich habe noch nie erlebt, daß jemand diese Übung nicht als zutiefst berührend empfunden hätte.

Im März 2000 spazierte ich durch einen Park in Wien, in dem sich auch ein kleiner Friedhof befand. An einem Grab sprang mir sofort die Statue eines Engels ins Auge – wunderschön und traurig, wie er da über den Grabstein gebeugt dastand. Daraus wurde dieses Gedicht:

 

Der gebrochene Engel

 

Engel, warum weinst du?

– Weil mein Mensch gestorben ist.

Und bist du jetzt nicht mehr da für ihn?

– Doch, das bin ich!

Warum weinst du dann?

Hast du ihm nicht genug gegeben in seinem Leben?

– Doch. Ich war ein Sonnenstrahl am Himmel,

              ich war ein wogendes Sonnenblumenfeld,

              ich war jede Quelle am Wegrand,

              war der Horizont,

              war der Duft der Blumen.

Warum weinst du dann?

– Weil er mich nur so selten gesehen hat.

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